Audimax TU Ilmenau

Eine Kooperation der Bundes- und Landeszentrale für politische Bildung, Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Thüringen, AG Jazzmeile Thüringen und dem Jazzclub Ilmenau im Thüringer “Jahr der Demokratie”
18 Uhr Podiumsdiskussion “JAZZ UND POLITIK VOR UND NACH 1989”
mit:

  • Bert Noglik, Jazzjournalist
  • Patrik Landolt, Label "Intakt Records"
  • Günter Sommer, Musiker
  • Matze Eichhorn, Musiker

Moderation: René Theska
20 Uhr Doppelkonzert:

  • CHANGEREQUEST Antonio Lucachiu (sax) Matthias Eichhorn (b) Jan Roth (dr) Sascha Stiehler (p)
  • GÜNTER "BABY" SOMMER QUARTETT Günter Sommer (dr, perc) Gianluigi Trovesi (bcl) Manfred Schoof (tp) Barre Philips (b)

90 Jahre Weimarer Reichsverfassung, 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre friedliche Revolution sind die herausragenden politisch-historischen Jubiläen im Jahr 2009.
Der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus hat daher das Jahr 2009 zum ?Jahr der Demokratie? in Thüringen ausgerufen.
Die Idee zu diesem Programm wurde angestoßen durch die Einladung der Landeszentrale für polische Bildung in Thüringen zu einem Konzert im Rahmen des “Jahres der Demokratie”. Das Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Thüringen ?Jazz grenzenlos ? 20 Jahre wiedervereinigter Jazz in Deutschland? ist der thematische Beitrag des Jazzclub Ilmenau und der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz zum Jahr der Demokratie. Die Podiumsdiskussion ist eine der Veranstaltungen des Projektes.
?Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.?
(Johann Wolfgang von Goethe)
Goethe als früher Gegner christlichen Dogmatismus mit muselmanischer Ausrichtung seines lyrischen Ichs.
Er beschreibt uns eine Haltung, die eine große Selenverwandtschaft zum Jazz zeigt. Der ?West-Östliche Divan? ist grenzübeschreitend und verbindend zugleich. Was Goethe mit dem persischen Dichter Hafis verband ist begründet in einer antidogmatischen, freien und lebensbejahenden Religionsinterpretation und Lebenshaltung.
Ob Omnipotenz in Religionen, Philosophie oder politischem Dogma, Jazz
widersetzte sich dem von vornherein; die „Amöbe“ Jazz ist den Herrschern
immer wieder entglitten.
Das galt für die DDR der Ulbricht-Ära genauso wie für die Bonner Republik
der 60ger Jahre. Der Jazz etablierte sich in den deutschen Republiken
t r o t z Politik.
Das „Unfassbare“, Grenzüberschreitende des Jazz hat nach der Wiedervereinigung
der beide Deutschen Staaten bemerkenswerte Entwicklungen genommen.
Die deutsche Jazz-Geschichte ist erstaunlich genug, sie vor allem einem
jungen, interessier ten Publikum neu und in besonderer Form auszubreiten
zu dürfen.
CHANGEREQUEST - die junge Thüringer Jazzband repräsentiert die neue Generation des “grenzenlosen Jazz” in Deutschland.
Das GÜNTER SOMMER QUARTETT zeigt das musikalisch hörbare und vollendet vor uns stehende Ergebnis einer internationalen Karriere, die trotz der Verhältnisse in der DDR möglich wurde. Vor fast 30 Jahren gab es dieses Quartett im legendären Umfeld der Jazzwerkstatt Peitz in der ehemaligen DDR. Fast 30 Jahre Jazzentwicklung und individuelle Musizierpraxis liegen hinter den Musikern dieses Quartetts.
Das Beispiel des Bandleaders Günter „Baby“ Sommer zeigt wie trotz oder gerade wegen gegen den Jazz gerichteter, kulturfeindlicher politischer Paradigmen in der DDR internationale Qualität im DDR-Jazz entstehen konnte, die ihres Gleichen sucht.