Das neue Quartett des jungen Wahl-Berliners Nathan Ott und dessen langjährigem Mentor und musikalischer Wegbegleiter Dave Liebman bringt den Geist der legendären Lighthouse-Edition der Elvin Jones Band der 70er Jahre ins 21. Jahrhundert und präsentiert dabei nicht nur eine der wichtigsten Stimmen unserer Zeit auf dem Sopransaxophon, sondern bringt diese mit dem eindringlichen Ton des frisch gebackenen SWR-Jazzpreisträgers Sebastian Gille zusammen, um zu einer unverwechselbaren Textur zu verschmelzen. Vervollständigt wird diese faszinierende Musikerkonstellation mit dem ebenso mächtigen wie elastischen Kontrabass-Spiel von Jonas Westergaard aus Berlin, einem der gefragtesten Tieftöner des Landes. Die ersten Tourneen des Ensembles 2018 konnten bereits international für ein enthusiastisches Echo sorgen, und dabei eindrucksvoll zeigen, wie fruchtbar eine solch generationsüberschreitend interkontinentale Jazz-Begegnung sein kann.

Leider ist Dave Liebman erkrankt und kann somit diese Tour nicht spielen.Seinen Part übernimmt Christof Lauer.

„Christof Lauer ist einer der wichtigsten Saxophonisten Europas“, dieser Satz ist seit mindestens 20 Jahren regelmäßig zu lesen. Bei ihm stellt sich aktuell aber eher die Frage, ob dieser Satz noch zutreffend ist? Müsste nicht anstelle von „Europa“ das Wort „weltweit“ stehen? – Sicher, es gibt bedeutendere, allseits bekanntere Saxophonisten als diese Frankfurter Galionsfigur des Jazz. Aber hinsichtlich seiner musikalischen Intensität, hinsichtlich der auratischen Ausdrucksstärke, die er seinem Horn abpresst, ist das, was Lauer macht, Weltklasse. Welch rauen Charme Christof Lauers Tenorsaxophon entfalten kann, wenn es von einer dunkel brodelnden Posaune flankiert wird, das kennen wir schon seit den frühen Tagen aus dem Albert Mangelsdorff Quintett. Albert, das war eine „Hochschule“ für Lauer, nicht nur das Quintett, ästhetische Integrität gab’s auch im „Jazzensemble des Hessischen Rundfunks“, Experimentier-Werkstatt und „Thinktank“ unter der Leitung vom Ahnvater der „Frankfurter Schule“ und damit im Dunstkreis der kreativen „Sauer, Hübner & Co KG“. Da war Lauer aber schon ein nach Frankfurt heimkehrender Europa-Reisender, der in Graz studiert hat und sich in Wien und Paris besondere Beachtung und eine konturierte Visitenkarte erspielt hatte.Schroff und spröde eindringlich kann sich seine Kraft entladen: ein Meer aus Überblaseffekten und Trillern, Flageolettos und „shouts“, in deren Sog sich immer wieder „sheets of sound“ auftürmen, jene metallisch splitternden Klangflächen, die durch rasend schnelle Arpeggienwirbel erzeugt werden. Spätestens in diesen himmlischen Sphären ist dann kein Geringerer als der „Übervater des modernen Jazz“ gar nicht so weit weg. Mindestens das Wort „coltranesk“ fehlt deshalb fast nie in den Rezensionen zu Christof Lauer. Doch Lauer braucht keinen Heroen wie diesen, auch nicht andere, an die er zuweilen erinnert: Bitte keine Vergleiche, die mit „klingt wie“ beginnen. Lauer ist Lauer. Lauer lässt mitunter kaum mehr als den fahlen Lufthauch seines Instruments zu, lauert (nomen est omen!) gleichsam auf die nächsten Impulse seines Gegenübers, die sein Spiel flexibel reagieren, manchmal aber eben auch explodieren lassen und jene ekstatisch irrlichternde Schreie freigeben. Kammermusikalische Andächtigkeit und geradezu höllische Furiosität, der Mann besitzt ein hochentwickeltes architektonisches Gespür für die Dramaturgie seiner überbordenden Virtuosität.

Nathan Ott - dr
Christof Lauer - sax
Sebastian Gille - sax
Jonas Westergaard - b

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