„Krieg zur Beendigung aller Kriege“. So nannte man den Ersten Weltkrieg, als das Ausmaß der Schrecken sichtbar wurde. Mehr als ein Jahrhundert später hat sich dieser idealistische Spitzname mit beunruhigender Häufigkeit als Wunschdenken erwiesen. Auf NOT ABOUT HEROES, dem eindringlichen und hoffnungsvollen neuen Album des Berliner Quartetts AZOLIA, sind die Worte des britischen Dichters Wilfred Owen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu prächtigen Wandteppichen aus intensiver Antikriegshaltung und drängendem Optimismus verwoben.

Owen schrieb seine Gedichte aus eigener Erfahrung. Er wurde 1917 im Kampf verwundet, sein diagnostiziertes „psychisches Trauma“ würde man heute als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnen. Während des Genesungsprozesses im Lazarett schrieb er viele seiner Werke. Im Sommer 1918 kehrte er zu seinem Regiment zurück und wurde einige Monate später in Frankreich getötet. Der Großteil seiner Gedichte wurde posthum veröffentlicht und verlieh seinen bereits ruhelosen Versen jene gespenstische Luft der Weisheit, die über den Tod hinaus sendet.

NOT ABOUT HEROES ist inspiriert von der selbst-verfassten Einleitung zu Owens 1920 erschienener Sammlung Poems, die wie ein missionierendes Statement zu lesen ist: „Dieses Buch handelt nicht von Helden“ schreibt er. „Die englische Dichtung ist noch nicht soweit, von ihnen zu sprechen… Allerdings sind diese Klagelieder in keinem Sinne tröstlich für diese Generation. Vielleicht sind sie es für die nächste. Alles, was ein Dichter heute kann, ist warnen. Daher müssen wahre Dichter wahrhaftig sein.“

Trotz der Tragik in Owens Erfahrungen und der Finsternis eines Großteils seiner Werke ist es eher Hoffnung auf Frieden als Kriegsangst, die aus AZOLIAS transzendierend hinreißender und faszinierender Musik hervorgeht. Indem sie diese Gefühle in einen so tief bewegenden und erfinderischen Kontext stellt, zelebriert AZOLIA die transformative Kraft der Phantasie, die dem Hörer eine Welt voller Möglichkeiten schenkt.
Shaun Brady • Übersetzung: S. Folk / R. Fidezius

Sophie Tassignon - vocals, compositions
Susanne Folk - alto saxophone, clarinet, vocals, compositions
Lothar Ohlmeier - bass clarinet, soprano saxophone
Andreas Waelti - double bass

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https://youtu.be/lkKt2TSr08w