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Jazzmeile - Samstag 16. November 2019, 20:00 Uhr

Helmholtz-Hörsaal, Helmholtzplatz 2

Stephan-Max Wirth Experience - „DADA-Republic!“

Bauhaus 2019
Der Berliner Jazz-Saxophonist Stephan-Max Wirth komponierte neue Werke, die im Zeichen des Jubilars - der Idee des Bauhauses - stehen. So greift er neben anderen musikalischen Aspekten der damaligen Zeit auch das „Triadische Ballett“ auf. Die oft einzig Oskar Schlemmer zugeeignete Idee war ursprünglich schon vom Tänzerehepaar Albert Burger und Elsa Hötzel ersonnen. Sie wuchs dann nach einer Begegnung zwischen Schlemmer und dem Ehepaar zu einem ausgereiften Bühnenprogramm heran. Wem die Idee zugesprochen werden konnte, musste später durch einen Gerichtsstreit geklärt werden. Da Schlemmer der zielstrebigere Part der Truppe war, verknüpfen wir heute das „Triadische Ballett“ mit den Kostümen und Bildern von Oskar Schlemmer, dessen drei Tänzer die Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck mit den Grundfarben Blau, Rot und Gelb darstellen. Der Umgang mit Musik fand keine konsequente Umsetzung am Bauhaus, wie schon die historische Bandbreite der Werkauswahl zu den ersten Aufführungen zeigt: Es wurde Musik von Mario Tarenghi, Marco Enrico Bossi, Claude Debussy, Joseph Haydn, Baldassare Galuppi, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart ausgewählt. Auch wenn Paul Hindemith später eine Musik für mechanische Orgel (1926) zu Schlemmers Ballett schuf, so blieb es am Bauhaus nur bei einer Idee, den Musikunterricht in den Bauhaus-Stundenplan und damit in das Gesamtkonzept der Schule zu integrieren. Dass es Musik am Bauhaus gab, belegen zahlreiche Dokumente, und da wir uns in den 20er Jahren befinden, spielt auch die Jazzmusik eine wichtige Rolle, wenn auch mehr als Musik der Feste und Jubiläen, die im Bauhaus von Weimar, Dessau und später auch Berlin gerne gefeiert wurden. Es gab die Bauhauskapelle, die u.a. Jazzstandards spielte und auf selbstgebauten Instrumenten ein Höllenspektakel veranstalten konnte, was durchaus dadaistische Züge hatte. Stephan-Max Wirth gedenkt dieser Kapelle mit „AKAPELLA“, einem Swing im alten Stil gedacht und in den Modern Jazz transportiert. „Eintanz – Zweitanz“ ist eine Anspielung auf das „Triadische Ballett“. Die ursprüngliche Dreiteilung findet hier in übermäßigen Dreiklängen ihren Ausdruck und schafft mit einem wiederkehrenden Movement die assoziative Brücke zu Schlemmers Tänzern. Der Titel „Eintanz – Zweitanz“ findet sich in Schlemmers Programmzettel wieder und gibt im Stil der Zeit ganz sachlich an, wie viele Tänzer auf der Bühne zu sehen sind. Letztendlich sind Feste und Jubiläen auch immer Gedenken wider des Vergessen. In diesem Kontext steht die Ballade für die Bauhausschülerin Lotte Gerson, der wohl einzigen Frau, die kurzzeitig in der Bauhauskapelle Saxophon spielte. Die Rolle der Frau am Bauhaus ist heute gut beleuchtet: Als einzige Meisterin konnte sich Gunta Stölzl als Leiterin der – was auch sonst - Webereiwerkstatt behaupten. Walter Gropius fürchtete seinerzeit einen Imageschaden seiner Schule und forderte die Reduzierung der Schüler „vor allem bei dem der Zahl nach zu stark vertretenen weiblichen Geschlecht“. So stellt diese Ballade auch ein Zeitzeichen für das gesamte 20. Jahrhundert dar.

Das Projekt „DADA Republic!“
„DADA Republic!“ arbeitet mit wechselseitigen Synergieeffekten der Genres Jazzmusik und Film. Auskomponierte musikalische Grundmotive des Berliner Jazz-Saxophonisten Stephan-Max Wirth und abstrakt verfilmte Motive aus Ostaijens Drehbuch dienen als Inspirationsquelle oder auch Improvisationsvokabular zur weiteren interaktiven Improvisation der Künstler. Dabei entsteht für den Zuschauer ganz bewusst kein konkreter Handlungsablauf, sondern ein assoziatives Geflecht von Bildern aus einer Zeit des Umbruchs und der Ungewissheit in den 20er Jahren. In einer eigenen zeitgenössischen Ausdrucksform wird der Jazzgedanke auf Musik und Film übertragen. Als Basismaterial für die collagierten Live-Projektionen wurden im Vorfeld thematisch geknüpfte Filmsequenzen mit professionellen Tänzern im Stil der ersten Schwarz-Weiß-Filme produziert. Der Begriff der Jazz-Improvisation erfährt durch diese Verfahrensweise eine Umsetzung auf der filmischen Ebene.

Stephan-Max Wirth - saxophones
Jaap Berends - guitar
Bub Boelens - bass
Florian Hoefnagels - drums
Daniela Kinateder - live video




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Die letzte Änderung erfolgte am Montag, 16. September 2019 um 18:02 Uhr.